Ankommen – Mitmachen – innovativ & nachhaltig Leben

Initiativen, Angebote und Menschen im Hohen Fläming

Ankommen – Mitmachen – innovativ & nachhaltig Leben

Initiativen, Angebote und Menschen im Hohen Fläming

Barbara Klembt

bis 2015 Bürgermeisterin Gemeinde Wiesenburg/Mark

Erinnere Dich an den Anfang: Wie und wann hat Deine Geschichte hier im Hohen Fläming begonnen?

Ich zog im Sommer 1979 mit meiner Familie nach Wiesenburg. Grund: Schwiegereltern wurden älter, lebten hier allein und wir wollten keinesfalls in einer Neubauwohnung in der Stadt bleiben. So zogen wir bis zum Eigenheimbau mit Einzug 1982 zu den Schwiegereltern. Nach Geburt des dritten Kindes 1983 Beginn einer Arbeit in der Gemeinde als stellvertretende Bürgermeisterin, ab 1989 Bürgermeisterin in Wiesenburg. Nach Wiederwahl 1990 zunächst Bürgermeisterin, ab 1991 auch Leiterin der Verwaltungsgemeinschaft Wiesenburg, 1992 - 2001 Amtsdirektorin des Amtes Wiesenburg/Mark, dann Bürgermeisterin bis zum familiär begründeten vorzeitigen Ruhestand ab Februar 2015. Außerdem war ich lange Jahre Präsidiumsmitglied sowie Vizepräsidentin des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg. Ich gehörte mehrmals der Jury im Dorfwettbewerb auf Kreis- und Landesebene an, führte bis 2014 den Vorsitz im Kuratorium des Naturparks Hoher Fläming. Das sind nur einige der vielen Ebenen, in denen ich tiefe Einblicke in die vielfältigen Probleme des ländlichen Raumes gewann.

Aktuell bin ich noch Mitglied der Genossenschaft Bahnhof am Park e.G., der LAG Fläming-Havel e.V., des Parkfördervereins Wiesenburg, des Schulfördervereins der Grundschule Am Schlosspark, im Landfrauenverein Potsdam-Mittelmark e.V. und im Tourismusverein Wiesenburg/Mark e.V., zurzeit als dessen Vorsitzende.

Aus allen ehemaligen und derzeitigen Aufgaben und Ehrenämtern trage ich die tiefe Gewissheit in mir, dass der ländliche Raum einen großen Mehrwert besitzt, den es zu erhalten und zu entwickeln gilt. Aus diesem Grunde initiierte ich gemeinsam mit einem fachkompetenten Team das Projekt "Neuland Hoher Fläming - finden, ankommen, hierbleiben" im Rahmen des Förderprogramms der Boschstiftung "Neulandgewinner - Zukunft erfinden vor Ort". Laufzeit: 2019 -2020.

Was bewegst Du im Hohen Fläming? Und was wünschst Du Dir?

Zahlreiche Gespräche und Begegnungen mit Alteingesessenen und Zuzüglern bestärkten mich in der Erkenntnis, dass gelingendes Miteinander von Dorfgemeinschaften nicht im Selbstlauf entsteht. Begegnung, miteinander reden und zuhören sind nötig, um sich kennenzulernen. Transparenz beiderseitiger Erwartungen, kennenlernen der Geschichte, Gegenwart und Zukunft, Verstehen der Besonderheiten ländlichen Lebens sowie bewusstes aufeinander Zugehen und Einladung zum aktiven Tun sind unerlässlich, um die Lebensfähigkeit und Lebensqualität der Dörfer für Jung und Alt zu erhalten und zu verbessern.

Der Stammtischtreff und die „Fläming aktiv“-Konferenz bieten eine von vielen Möglichkeiten, diesem Ziel näherzukommen. Der Stammtischtreff ist mit dem Neulandgewinnerprojekt entstanden, die „Fläming aktiv“-Konferenz wiederaufgelebt. Ich möchte gerne weiter dabei sein.

Ein großes Betätigungsfeld, auch sehr den "Alteingesessenen" zu raten, bietet das Beschäftigen mit der Dorfentwicklungsplanung. Die vor mehr als 25 Jahren entstandenen Konzepte sollten in die Hand genommen, auf ihre bisherige Realisierung geprüft sowie Zukunftstauglichkeit fortgeschrieben werden. Eine ganze Generation ist "nachgewachsen" oder "zugezogen" - was will sie? Was ist heute noch erforderlich oder als neues Thema dringend? Mit welchem Leitbild soll es in unserem ureigenen Lebensraum weitergehen? Wen oder was brauchen wir dafür, was können wir selbst tun? Und welches Potential schlummert in uns, wie wollen wir es einsetzen? Welches Handwerkszeug haben wir, wo können wir es schärfen oder erlernen? Welche Praxisbeispiele gibt es in fern und nah, wie erschließen wir sie uns? Diese und viele weitere Gedanken würde ich gerne noch einbringen, soweit ich kann, gerne auch selbst in dem einen oder anderen Gesprächskreis dabei sein.

Auch wenn es kein "Neuland" im geografischen oder geistigen Sinne ist, so doch ein Herzensanliegen von mir als gebürtigem und aufgewachsenem Bauernkind und, nach zehnjähriger Unterbrechung in einer kleinen Stadt, eingefleischtem Dorfbewohner. Zudem werde ich nie aufhören, diese meine tiefe Überzeugung zu verkünden. Ich will gerne eine Botschafterin für Landleben mit Zukunft sein.

Was war/ist Dein persönliches Highlight im Hohen Fläming?

Hier eine Abgrenzung zu vollziehen, fällt mir sehr schwer. Natürlich ist mein ganz persönliches Highlight der Schlosspark Wiesenburg. Während mich im Gartenteil die kunstvoll gestalteten Teppichbeete im Parterre und die Teiche begeistern, lassen die Sichtachsen die Weite des Wald- und Wiesenteils erahnen. Eine Wanderung in Richtung Bahnhof erschließt den vielfältigen Baumbestand, die darunter prächtig gedeihenden Rhododendren, ebenfalls hoch wie ein Baum sowie die Wiesen mit den eingelagerten Baumgruppen. Den Gestaltern aus dem 19. Jahrhundert, Herrn von Watzdorf und seinem Förster Gebbers, ist ein großer Kunstsinn ebenso wie ein hohes dendrologisches Fachwissen zu bescheinigen. Reisen, schauen und nachmachen waren die pragmatischen Wege, das schönste Gartendenkmal zwischen Sanssouci und Wörlitz entstehen zu lassen.

Idealer Start- oder Zielpunkt für den internationalen Kunstwanderweg, der zwischen den Burgenorten Bad Belzig und Wiesenburg die tolle Fläminglandschaft mit Kunstwerken ins Bewusstsein ruft. Der in den 90-er Jahren ausgerufene Naturpark Hoher Fläming hat zum Ziel, diese in der letzten Eiszeit geprägte Natur- und Kulturlandschaft zu erhalten, zu gestalten und für Einheimische und Besucher erlebbar werden zu lassen. Ich wandere sehr gerne durch die Rummeln, eiszeitliche Trockentäler, oder entlang verschwindender Bäche, deren Wasser sich nach mehreren sichtbaren Kilometern einen unterirdischen Weg zu seiner Mündung sucht.

Noch immer begeistert bin ich von den Flämingdörfern. Sie offenbaren eine wechselvolle Geschichte von der Besiedlung durch die Flamen bis heute. Ihre Lage erinnert an die Rodungen von vor mehr als 850 Jahren, als Neusiedler aus Flandern hier einen Neubeginn wagten. Teilweise sind slawische Wurzeln erhalten, die weit länger zurückreichen.

Nicht zuletzt will ich die vielen kreativen Kunst- und Kulturschaffenden als mein Highlight nennen. Ohne sie wären wir um vieles ärmer. Danke für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Belletristik, Schauspiel oder Kabarett zu verschiedensten Anlässen und an vielen Orten. Musiker in Mals Scheune höre ich eben so gerne wie DonnaLiedchen. Ich liebe das Chortreffen auf dem Schlosshof und das Jugendblasorchester, besonders beim Pfingstkonzert im Schlosspark. Es lässt sich hier sehr gut leben, deshalb ist mein Herziehen in den Hohen Fläming mein schönstes Highlight.

Barbara Klembt, Foto: Jörg Gläscher

Tel.: 033849 51312
E-Mail: Barbara.Klembt@t-online.de

Meine Projekte:

Torhaus und Turm von Schloss Wiesenburg Museum im Torhaus Schloss Wiesenburg, Turmaufstieg
Museum im Torhaus und Turm des Schlosses Wiesenburg, eingerichtet und betrieben vom Tourismusverein Wiesenburg/Mark e.V.

Das Team des Regionalbüros der LAG Fläming-Havel Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel e. V.
Beratung zu Fördermitteln aus dem LEADER Programm, Förderung der regionalen Entwicklung, Unterstützen von Initiativen

Offene Mitmach-Konferenz Fläminger Mitmach-Konferenz Menschen - Projekte - Ideen
Die für alle Offene Mitmachonferenz, ist Quelle neuer Ideen und Projekte und gibt Einblick in die Region.

Gefördert mit Mitteln der Staatskanzlei des Landes Brandenburg. Dieses Projekt wurde ermöglicht durch die Robert-Bosch-Stiftung.